„Aus Schutt und Asche – Archäologische Funde aus Sachsen 1933-1945“ - Eine kleine Ausstellung vom 28.03.2025 bis 08.05.2025 im Foyer des smac - Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
27.03.25

Ab dem morgigen Freitag, 28. März 2025, präsentiert das smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz – in seinem Foyer die Ausstellung »Aus Schutt und Asche – Archäologische Funde aus Sachsen 1933-1945«. Anlass ist der 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. Zu sehen sind archäologische Funde sowie Dokumente aus der Zeit der NS-Diktatur 1933-1945. Die Objekte stammen aus Kriegsschutt im Stadtgebiet von Dresden und Chemnitz (Johannisvorstadt), aber auch von Orten der Zwangsarbeit sowie aus Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern. An der Podiumsdiskussion am 8. Mai wird auch Stiftungsgeschäftsführer Dr. Markus Pieper teilnehmen.
Eintritt: frei
Öffnungszeiten: Di - So: 10:00 - 18:00 / Do: 10:00 - 20:00 / Mo: geschlossen (außer Ostermontag)
Ort: smac - Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Adresse: Stefan-Heym-Platz 1, 09111 Chemnitz
Führung: am 10.04.2025, 17 Uhr / Teilnahme kostenfrei / Anmeldung unter buchung@smac-shop.de
Podiumsdiskussion: am 08.05.2025, 18 Uhr / Eintritt: 3 Euro / Infos s.u.
Marcus Sonntag, Kurator der Ausstellung:
»Archäologische Funde veranschaulichen historische Realität auf einzigartige Weise. Dies gilt auch für die Geschichte des Nationalsozialismus. Wir meinen, bereits alles über diese Zeit aus Filmen, Fotos und Schriftstücken zu wissen. Die materiellen Objekte bieten jedoch eine weitere, sehr authentische und gleichzeitig emotionale Quelle. Zerschmolzene Schallplatten, verbranntes Spielzeug, ineinander gebackenes Porzellan. Puppengeschirr aus Knochenabfällen, ein Vogel aus Holz geschnitzt. Sie sprechen den Betrachtenden auf einer sehr persönlichen Ebene an.«
Über die Ausstellung
Die Ausstellung besteht aus sechs Vitrinen sowie drei Stelen mit Texten und Abbildungen.
Besonders beeindruckt die Vitrine mit Kriegsschutt: Die Exponate dokumentieren die Bombennächte in Dresden (13-15.02.1945), Chemnitz (05.03.1945) und anderen sächsischen Städten. Die Chemnitzer Objekte stammen aus der Johannisvorstadt, darunter Schallplatten und Metallgeschirr aus der Gaststätte »Goldener Anker«. Im Kriegsschutt eines Spielzeugladens in der Dresdner Webergasse fand man bei Ausgrabungen verbrannte Militärfahrzeuge und Spielzeugsoldaten.
In einer Vitrine mit Objekten aus dem ehemaligen KZ Sachsenburg finden sich emotional sehr berührende Stücke: Neben einer Flaschenpost sind hier 13 Teile eines Puppengeschirrs zu sehen, die behelfsmäßig aus Knochen hergestellt wurden, sowie ein aus Holz geschnitzter Vogel – Sinnbild für den Überlebenswillen und Freiheitsdrang der Häftlinge.
Einen überraschenden archäologischen Bezug hat eine Vitrine mit Publikationen französischer Offiziere. Als Kriegsgefangene im Lager Elsterhorst entdeckten sie auf dem Gelände mittelsteinzeitliche Werkzeuge. In Absprache mit der Lagerleitung dokumentierten und publizierten sie diese.
Auch wenn die ausgestellten Objekte in ihrer Wirkung und Aussage für sich selbst stehen könnten, ist eine Einordnung in den historischen Kontext vor allem im Rahmen einer Ausstellung unabdingbar.
So sind an den Stelen die Funktion von Konzentrations-, Kriegsgefangenen – und Außenlagern der NS-Zeit beschrieben sowie exemplarisch die Lager in Chemnitz, Leipzig, Zeithain, Colditz, Elsterhorst und Sachsenburg dargestellt.
Zwei Filme mit Zeitzeugen-Interviews und Auszüge aus dem Tagebuch des niederländischen Zwangsarbeiters Jan Put ergänzen die Ausstellung. Abschließend kommen drei Protagonistinnen und Protagonisten der sächsischen Gedenkstätten zu Wort. Aus ihren Aussagen wird deutlich, wie sehr deren Arbeit für eine aktive Erinnerungskultur unter den Haushaltskürzungen leidet.
Archäologie der Moderne
Vor 50 Jahren begannen Archäologen, unsere jüngste Vergangenheit systematisch mit archäologischen Methoden zu erforschen. Die archäologischen Objekte ergänzen die historischen Quellen und bieten neue Zugänge zur Erforschung der NS-Verfolgung und des Kriegsalltags.
Podiumsdiskussion »Ausgraben & Erinnern«
Am 80. Jahrestag der Befreiung, Donnerstag, 08.05.2025, diskutiert ab 18 Uhr ein hochkarätiges Podium darüber, was uns archäologische Funde über die Vergangenheit erzählen können. Auch zu den Fragen, wie wir heute mit dem Erbe der Vergangenheit umgehen und dieses für die Zukunft bewahren können, tauscht sich das Podium an diesem Abend aus.
Die Teilnehmenden auf dem Podium:
- Josefine Falkenberg, Landesamt für Archäologie Sachsen
- Ronald Hirte, Gedenkstätte Buchenwald
- Dr. Anne Klammt, Hannah-Arendt-Institut Dresden
- Dr. Thomas Westphalen, Sächsischer Heimatschutz
- Dr. Markus Pieper, Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Kontakt:
smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Jutta Boehme | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am smac
Tel: 0371 911 999 65
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