Rückblick auf die Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2025 in der Gedenkstätte Großschweidnitz
29.01.25

Anlässlich des Gedenkstages für die Opfer des Nationalsozialismus fand auch in der Gedenkstätte Großschweidnitz eine Gedenkveranstaltung statt.
Erinnert wurde an die Menschen, die zwischen 1939 und 1945 in der damaligen Landesanstalt Großschweidnitz den nationalsozialistischen Krankenmorden zum Opfer fielen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Posaunenchor der Kirchgemeinde Obercunnersdorf.
Im Mittelpunkt stand, stellvertretend für die über 5.500 ermordeten Patientinnen und Patienten, die Lebensgeschichte von Gerhard Böhm. Sie ist in der Reihe „Den Opfern ihren Namen geben“ als eigenes Heft erschienen und kostenfrei in der Gedenkstätte erhältlich. Der Gedenkstättenmitarbeiter Christoph Hanzig hat es geschrieben und stellte es vor.
Gerhard Böhm wurde 1935 in Chemnitz geboren. Seine Mutter, als „erbkrank“ und minderwertig“ stigmatisiert, sollte keine weiteren Kinder mehr bekommen. Sie wurde kurze Zeit nach seiner Geburt zwangssterilisiert. Gerhard Böhm kam wenige Monate nach seiner Geburt in eine Pflegefamilie, die sich sehr um ihn bemühte. Er entwickelte sich aber langsamer als andere Kinder und blieb intellektuell zurück. Im Zuge der Einschulungsuntersuchung empfahl der Arzt den Pflegeeltern schließlich die Unterbringung in einer Anstalt. 1941 kam er in die Landesanstalt Leipzig-Dösen. Seine Pflegeeltern und auch seine leibliche Mutter bemühten sich immer wieder um seine Entlassung – erfolglos. Im Dezember 1943 wurde die Leipziger Anstalt und damit auch die dortige Kinderabteilung nach Großschweidnitz verlegt. Die Kinderabteilung war schon länger keine reguläre Abteilung mehr, sondern war als „Kinderfachabteilung“ Teil der „Kindereuthanasie“. Dort wurden die Kinder über einen zum Teil auch längeren Zeitraum „beobachtet“ und in den meisten Fällen schließlich ermordet. So auch Gerhard Böhm, der nur wenige Monate vor Kriegsende, am 19. Februar 1945, in Großschweidnitz durch überdosierte Medikamente getötet wurde.
Wie viele weitere Opfer der Krankenmorde wurde Gerhard Böhm auf dem Anstaltsfriedhof in Großschweidnitz beerdigt. An den heute dort befindlichen Namenstafeln sprach die Seelsorgerin des Fachkrankenhauses Großschweidnitz, Dr. Ines Mory, im Anschluss an die Buchvorstellung Worte des Gedenkens. Die Gäste, unter denen auch Angehörige Ermordeter und der ärztliche Direktor des Krankenhauses waren, legten Blumen nieder, der Großschweidnitzer Bürgermeister Jons Anders einen Kranz.
Mehr als 70 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Veranstaltung teil und machten eindrücklich deutlich, dass das Schicksal der Ermordeten nicht vergessen und eine Erinnerung an die Verbrechen auch heute noch wichtig ist.
Das biografische Heft zu Gerhard Böhm sowie viele weitere Biografien sind in der Gedenkstätte Großschweidnitz oder über den Webshop der Gedenkstätte Großschweidnitz kostenfrei erhältlich.
Kontakt
Dr. Maria Fiebrandt (Referentin für wissenschaftliche Dokumentation, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
Tel: 03585-2113509
Maria.Fiebrandt@stsg.de